Faschismus - ewiggestrig und doch modern ?
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Am Samstag, dem 14. November 2009, fand in Krefeld eine Konferenz der SoKo zum Thema statt.
Das Motto lautete: Verständigung zu einem zeitgemäßen Antifaschismus. Im Folgenden ein Bericht
von dieser Konferenz.
Das trübe Samstagwetter an diesem Tag war jenem Thema angemessen, das sich die SOKO-Konferenz
vorgenommen hatte: Die aktuellen faschistischen Bestrebungen, sich sozialen Bewegungen anzudienen und sich ihrer zu
bemächtigen, wollten wir mit ähnlichen Versuchen aus der Vergangenheit kontrastieren und uns zudem um
die Grundlagen faschistischer "Theoreme" bemühen.
I. Faschistische Ursprünge
Nachdem die Tagung eröffnet, SoKo kurz vorgestellt war, begann H. Hilse mit seinen Ausführungen
zu dem ursprünglichen Konzept einer Nation, wie sie in der Französischen Revolution wirkmächtig wurde.
Die dann folgende Verengung und Verstümmelung des universalistischen Konzeptes machten erst den reaktionären
deutschen Nationalismus möglich. Hier machte der Referent aus Zeitgründen einen historischen Einschnitt und
eitete über zur Betrachtung der Kontakte, die die kommunistische Bewegung der Weimarer Republik in den Jahren
1920 bis 1923 durch die "Hamburger Richtung" zu den Freikorps knüpfte. Diese Kommunisten gingen davon aus,
dass es in einer staatlichen Verbindung mit Russland möglich sein müsste, den " Versailler Raubfrieden" unwirksam zu machen.
Damit lösten sie in der Kommunistischen Internationale eine heftige Debatte aus.
Wir sind heute gezwungen, uns intensiv mit dieser Entwicklungsphase der deutschen Linken auseinanderzusetzen, weil die
nationalrevolutionären Strömungen in und um die NPD sich heute u.a. auf diese Debatte berufen, sich damit vom "Hitlerismus"
abgrenzen und dabei zugleich die soziale Frage okkupieren.
Aktuell muss unsere Aufmerksamkeit ganz besonders auf die "Querfrontaktivitäten" z.B. eines J. Elsässer gerichtet sein,
da hier erneut ein Versuch gestartet wird, die Priorität der "Nation" bei der Bekämpfung des Kapitalismus zu untermauern.
Damit werden alle Klassenfragen entwertet oder gar ausgeblendet. In Zeiten zugespitzter sozialer Kämpfe wird damit einer nationalistischen
Krisenlösung ein Vorrang gegenüber antikapitalistischen Konzepten eingeräumt.
In dem dann folgenden Referat von Edith Bartelmus-Scholich wurden die
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II. Geschichte und Aktualität der Faschismus
Helmut Dahmer (Wien) griff alle bisher in der Debatte angeschnittenen Themen nochmals auf und vertiefte einzelne Aspekte.
Er erläuterte die Entstehung des Bonapartismus als ein autoritäres Staatsregime, das sich durch die Erschöpfung der
Klassen in ihrem gegenseitigen Kampf scheinbar über diese Kämpfe erheben kann. Dazu setzte er den Faschismus in einen Kontrast,
der eindeutig auf die Zertrümmerung aller Klassenorganisationen unabhängig von ihrer ideologischen Ausrichtung gerichtet war.
Nur die völlige Atomisierung des Proletariats sowie seine totale Kontrolle konnten diese faschistische Herrschaft garantieren und in
diesem Aspekt stimme er mit dem Stalinismus überein.
Ganz anders der Vortrag von Wolfgang Dreßen (Düsseldorf), der sich mit aktuellem "Antifaschismus" auseinandersetzte, der
oftmals nicht auf der Höhe der Aufgabenstellung sei und die faschistischen Gefahren gar nicht oder falsch einschätzt.
Die vielfältigen Verschränkungen und Anknüpfungspunkte von "normalem" bürokratischen Selektionsdenken,
gesuchter Identitätsbildung und Ausgrenzungsmechanismen würden auch in linken Kreisen oft nicht begriffen. Er ging auch
auf die schwierigen Vorgänge in der NRW-Linkspartei bei der Positionsfindung zum Antirassismus ein.
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Wolfgang Dreßen bei SoKo-68er-Konferenz September 2008 in Gütersloh Foto: M. Rieger, Hamburg
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III. Zeitgemäßer Antifaschismus heute ?
Nach der Mittagspause dann stellten Ullrich Knur (Krefeld) vom 'Bündnis für Toleranz und Demokratie' in Krefeld und
Kurt Heiler von der VVN Aachen ihre Arbeit vor. Beide Ansätze sind sich darin ähnlich, breite Bevölkerungsschichten
für den Kampf gegen die Nazis ansprechen und gewinnen zu wollen.
Obwohl mehrfach durch SoKo angesprochen, war kein Vertreter der Strassen-Antifa anwesend, um über deren Strategie zu berichten.
Einigkeit herrschte im Plenum, dass die dort dominierende "direkte Konfrontation auf der Strasse" gegen die Nazis eine der unabdingbaren
Säulen der Anti-Nazi-Arbeit ist und (auf absehbare Zeit) wohl auch bleiben wird.
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Die Konferenz zu Gast im Krefelder DIDF-Haus Foto: SoKo
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ideologischen Grundlagen des Faschismus beleuchtet.
Die Referentin ging den Wurzeln des Faschismus nach, wie sie seit der Aufklärung im Rassismus, in einem reaktionär gewandten,
übersteigerten Nationalismus und seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in einer Revision der Werte von 1789 zu erkennen
sind. Besonderes Gewicht lag dabei auf der Marxismusrevision Sorels, dem Elitenbegriff bei Pareto und Michels und der Untermauerung elitärer
und rassistischer Ansätze durch den Sozialdarwinismus.
Die folgende Debatte griff einzelne Aspekte der Referate auf. Es wurde die Frage nach der Vergleichbarkeit der Sozialstruktur früher
und heute gestellt. Ein weiterer Aspekt befasste sich mit der Rolle, die der Gedanke der Republik bei dem Prozess des "nation building" in
Mittel- und Osteuropa gespielt hatte sowie mit dem thermidorianischen 'Purzelbaum-rückwärts' der französischen Republik nach ihrer
revolutionären Phase.
[Vgl. auch Originaltext.]
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Helmut Dahmer bei einer SALZ-Veranstaltung am Tag zuvor in Köln Foto: SALZ-Köln
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Inwiefern aber solch eine Vorgehensweise ohne Einbindung in die anderen Stränge der Anti-Nazi-Arbeit eine Perspektive bietet,
war umstritten. Die Abwesenheit eines kompetenten Vertreters dieser Strömung wurde von den Tagungsteilnehmern bedauert.
In der anschließenden Diskussion berichteten viele Tagungsteilnehmer über ihre Erfahrungen vor Ort. Es zeigte sich, dass es lokal bereits
vielfältige und kreative Ansätze zur Abwehr faschistischer Gefahren gibt. Oftmals verhindert die fehlende Informationsvernetzung
die Möglichkeit zur Erzeugung synergetischer Effekte.
Zieht man eine Bilanz dieses Konferenztages, so müssen wir von SoKo selbstkritisch eingestehen, dass wir diese Tagung thematisch
überfrachtet haben. Andererseits war es auch nicht schlecht, einmal die Vielfalt jener Aspekte gedrängt präsentiert zu
bekommen, die sich mit einem antifaschistischen Engagement verbinden. Dabei wurden einige Fragen, wie beispielsweise der "offiziöse
prachgebrauch" sowie der institutionell verankerte Rassismus noch nicht einmal angeschnitten.
Die mehrere Dutzend Teilnehmenden bekräftigten am Ende der Tagung, dass sie sich gegenseitig weiter austauschen und in ihren
jeweiligen Aktivitäten gegen die Nazis unterstützen wollen.
Für das kommende Frühjahr soll gemeinsam dem Antreten von PRO-NRW zur Landtagswahl entgegengewirkt werden.
Obwohl SoKo im antifaschistischen Kampf keine zentrale Rolle einnehmen kann, wird es sich nach Kräften um Unterstützung
eines solchen Kampfes bemühen.
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